Welcome to the Deep South...
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Tennessee
Deep South USA? Da war doch was, Hillbillies, Rednecks - Familien, die vielleicht ein bisschen zu verwandt miteinander sind und durchgeknallte Jäger? Keine Sorge, die Zahl der geschossenen Touristen ist seit Jahrzehnten rückläufig… Nein, im Ernst - Tennessee (und die anderen Staaten des tiefen Südens ebenso) sind eine Reise wert. Natur- und Musikfans kommen hier ganz besonders auf ihre Kosten, aber auch Sportbegeisterten und kulturell Interessierten wird eine Menge geboten. Noch jemanden vergessen? Richtig, die Whiskey-Anhänger - aber dazu später mehr.
Die Rundreise durch Tennessee beginnt im Westen, begrenzt durch den Mississippi River im Westen und den Tennessee River im Osten liegen in dieser Region die Wurzeln des Rock’n Roll und des Blues. Ein Besuch im Memphis ist daher Pflicht - direkt am Mississippi gelegen hat die größte Stadt Tennessees einiges zu bieten - Blues und Soul-Liebhaber zieht es auf die Beale Street , über drei Blöcke hinweg gibt’s Tag und Nacht Musik ala Carte in Clubs, Restaurants und Läden. Besonders empfehlenswert - das B.B. Kings , hier treten regelmäßig einige der besten Bluesmusiker der Welt auf.
Musik-Nostalgiker werden sich natürlich den Trip nach Graceland nicht nehmen lassen und den Ausflug in die Welt des "Kings" genießen. Sportbegeisterte können Karten für eines der jährlich 70 Spiele der Memphis Grizzlies oder ein Baseball-Spiel (versteht irgendein Europäer wirklich diese Sportart?) im AAA-Stadion ordern. Weniger Show und mehr Geschichte? Dann empfiehlt sich ein Besuch des National Civil Rights Museum , in dem der politische Kampf der Bürgerrechtsbewegung gegen die Rassendiskriminierung hervorragend dokumentiert ist.
Nicht entgehen lassen sollte man sich eine Fahrt auf dem Old Man River, Angebote dazu finden sich in und um Memphis reichlich.
Weiter geht es von Memphis in das rund 200 Meilen entfernte Nashville auf der Interstate 40, in Jackson wird ein Zwischenhalt eingelegt (beim Bluesfestival im Juni kann der auch länger ausfallen…) um die Heimatstadt des Rockabilly zu würdigen. Kurz nach Jackson empfiehlt sich ein kurzer Abstecher zum Kentucky Lake, angelegt während des zweiten Weltkriegs ist er mit über 3.500 KM Uferlänge der zweitgrößte Stausee der Welt.
Nashville, die "Music City" begrüßt ihre Besucher mit einem fantastischen Blick auf die Skyline. Die Hauptstadt von Tennessee gilt als Welthauptstadt der Country Musik, hat aber auch den Anhängern von Rock, Pop, Bluegrass und Jazz eine Menge zu bieten. Seinen Besuch startet man am besten am Lower Broadway, im Herzen des Unterhaltungsviertels "The District" - Livemusik von Mittag bis tief in die Nacht gibt es hier ohne Eintrittsgeld.
Ein Muss für jeden Besucher ist natürlich die Grand Ole Opry, wo freitags und samstags lebende Legenden und aktuelle Stars live für die am längsten laufende Radioshow der Welt spielen - immerhin seit 1925 wird hier Radio- und Musikgeschichte geschrieben.
Neben der Musikszene zeichnet sich Nashville durch viele perfekt erhaltene Plantagenhäuser aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg und weit verbreiteten neoklassizistischen Gebäuden aus, die unter anderem zu dem Beinamen "Athen des Südens" führen. Nashville gibt sich alle Mühe diesem Ruf gerecht zu werden und so kann zum Beispiel im Centenniel Park der weltweit einzige Nachbau des Parthenon in Originalgröße besichtigt werden.
Für Kulturliebhaber empfehlen sich Besuche des Frist Center for the Visual Arts, der Carl Van Vechten Gallery der Fisk University oder der Kunstgalerie der Cheekwood-Plantage. Sportfans finden in Nashville die Gelegenheit sich ein Football-Spiel der Tennessee Titans anzusehen, oder besuchen ein Eishockey-Spiel der Erstliga-Mannschaft Nashville Predators . Zweimal im Jahr bietet sich zudem die Möglichkeit auf dem Nashville Superspeedway NASCAR-Feeling live zu erleben.
Von Nashville aus wenden wir uns jetzt nach Süden und setzen den Weg in Richtung Chattanooga fort. Achtung Whisky-Fans, auf diesen Abschnitt habt ihr gewartet… wer sich auf der Hälfte der Strecke von der Interstate 24 verabschiedet, der kann gleich zwei legendäre Brennereien besuchen, die nur wenige Meilen auseinander liegen. George Dickel in Cascade Hollow und Jack Daniel’s in Lynchburg.
Die von Kennern hochgelobte, in der breiten Öffentlichkeit aber weniger bekannte George A. Dickel Distillery hat eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich, gegründet 1870 übernahm George Dickel 1884 den Hauptanteil an der Brennerei. 1910 wurde das Unternehmen durch die Prohibition in Tennessee gezwungen ihren Sitz nach Kentucky zu verlegen und kehrte erst 1958 nach Cascade Hollow zurück. In den 90er Jahren überstieg die Produktion die verfügbaren Rohstoffe - in der Folge wurde die Brennerei geschlossen und öffnete erst 2003 wieder ihre Pforten. Die George Dickel Distillery besteht übrigens auf der schottischen Schreibweise Whisky für ihre Produkte. Verantwortlich dafür ist der Namensgeber, der damit seiner Überzeugung Ausdruck verleihen wollte, dass seine Produkte qualitativ den besten Scotch Whiskies in nichts nachstehen.
Weltbekannt dagegen ist die 1866 gegründete Jack Daniel’s Distillery in Lynchburg. Da man über Jack Daniel’s nichts mehr sagen muss (kennt irgendein Leser diesen Whiskey nicht?) konzentrieren wir uns auf die Herstellung von Tennessee Whiskey. Die Besonderheit liegt darin, dass der Whiskey vor der Fasslagerung über Holzkohle gefiltert wird, was ihn besonders mild macht. Das Verfahren wird charcoal mellowing (oder korrekt Lincoln County Process) genannt. Die Holzkohle für den Filterprozess wird aus Zuckerahorn hergestellt. Während in der Jack Daniel’s Distillery der Whiskey direkt auf die Holzkohle tropft, verwendet man bei George Dickels Wolldecken, damit sich der Whisky gleichmäßiger über die Holzkohle verteilt. Kuriosum am Rande - beide Brennereien liegen in Moor County, dem einzigen Dry County von Tennessee. Mit anderen Worten, während die Produktion legal ist, darf das Produkt in der Entstehungsregion nicht verkauft werden. Allerdings haben beide Brennereien eine Ausnahmegenehmigung für den Verkauf ihrer Produkte als Andenken an die Touristen - aber nicht an Sonntagen…
Nach dem Abstecher in die Whisk(e)y-Hochburgen geht es weiter nach Chattanooga und damit erreichen wir den Osten von Tennessee. Durch die Lage in einer Schleife des Tennessee Rivers und eingerahmt vom Appalachen Gebirge bieten sich großartige Landschafteindrücke.
Besonders empfehlenswert ist ein Ausflug auf den "hauseigenen" Lookout Mountain mit der steilsten Standseilbahn der Welt, die seit über 100 Jahren Touristen dabei hilft den Atem nicht schon beim Aufstieg zu verlieren. In der Stadt selbst lohnt sich ein Besuch im größten Süßwasseraquarium der Welt, mehr als 9.000 Fische, Vögel, Säugetiere und Reptilien sorgen im Tennessee Aquarium für Begeisterung. Wer bereit ist ein "wenig" mehr Geld für eine Übernachtung auszugeben, der sollte sich in das Holiday Inn Chattanooga-Choo Choo einbuchen. Für rund 120 bis 190 Dollar pro Nacht kann man in dem zum Luxushotel umgebauten alten Bahnhof das Glen Miller Swing-Feeling erleben. Inklusive der Übernachtung in einem Eisenbahnwaggon und des stilvollen Dinners im liebevoll restaurierten Speisewagen.
Als letzten Abschnitt der Tennessee-Tour erreichen wir den landschaftlich schönsten Bereich, die Smoky Moutains. Wer ein paar Monate Zeit mitbringt, der kann den 3.000 KM langen Appalachian Trail komplett wandern, alle anderen sollten zumindest ein paar Kilometer im Nationalpark Great Smoky Mountains zurücklegen - egal, ob auf zu Fuß, auf dem Mountain Bike oder auf einer Kanu-Tour. Wem nichts Amerikanisches fremd ist, der kann einen Besuch in Pigeon Forge wagen - die Kleinstadt ist im Grunde ein einziger Freizeitpark und bietet neben zahllosen Shoppingmöglichkeiten in über 200 Outlets den Themenpark "Dollywood" und rund 100 Restaurants - genug, um immerhin rund 11 Millionen Besucher pro Jahr anzuziehen.
Am Fuß der Smoky Mountains erwartet Knoxville die Besucher, die Universitäts- und Wissenschaftsstadt hat in kultureller Hinsicht mit Galerien und Museen viel zu bieten und das Nachtleben im Stadtteil The Old City und am Market Square wird von Jazz, Bluegrass und Country Music geprägt. Sportfans finden in Knoxville eine Hochburg des amerikanischen Collegesports. Wenn die Tennessee Volunteers, von Fans liebevoll "The Vols" genannt, im zweitgrößten Stadion der USA antreten, dann ist die gesamte Stadt in die Farben des Teams getaucht und mehr als 80.000 Fans strömen in die Stadt.
Kommen wir am Ende noch mal auf das Thema Deep South zurück, denn ein bemerkenswertes Fundstück möchten wir nicht vorenthalten, die Hillbilly-Version der 10 Gebote, so angebracht an der Cross Trails Church in Gainesboro, Tennessee:
(1) Just one God.
(2) Honor yer Ma &Pa.
(3) No tellin' tales or gossipin'.
(4) Git yourself to Sunday meetin'
(5) Put nothin' before God.
(6) No foolin' around with another fellow's gal.
(7) No killin.'
(8) Watch yer mouth.
(9) Don't take what ain't yers.
(10) Don't be hankerin' for yer buddy's stuff
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Quelle: Tennessee Mountain
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